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Leipziger Volkszeitung vom 30.08.2010

Nässere Zeiten

Auch ohne Sommer überzeugt das Bessere-Zeiten-Festival 2000 Zuschauer mit feinen Bands der Region

Für die Besucher und ambitionierten Organisatoren von Festivals scheint dieser Spätsommer ziemlich wenig übrig zu haben. Auch das Bessere- Zeiten-Festival, das am Samstag zum sechsten Mal stattfand, musste schwer gegen die Witterung ankämpfen. Dabei zeigten sich die meisten der zehn Bands, die auf Einladung der Bandcommunity Leipzig auf der Festwiese spielten, durchaus überzeugend.

Von THERESA WIEDEMANN

Seit dem Nachmittag verdingen sich die am Ende circa 2000 Besucher vorm Zentralstadion auf dem umzäunten Gelände mit vereinzelten Zelten. Manche versuchen, sich mit den siebenmeilenstiefelartigen Bounce-Gerätschaften fortzubewegen, andere widmen sich lieber Bratwurst, Bier oder Cocktails. Über eine gespannte Leine auf der Wiese spielt man Tennis, während im Zelt einer Wohnungsgenossenschaft am Glücksrad blaue Frisbee-Scheiben gewonnen und ein paar Meter weiter Bierkästen in luftige Höhen gestapelt werden. Alles ist auf Sommer ausgelegt, doch der will nicht recht. Ein straffer Zeitplan regelt die Auftritte der teils bekannteren, teils unbekannten Bands. So stehen Artbreak Heartshop aus Dresden auf der Bühne, die Leipziger Rockband Nevamind tritt auf und anschließend folgt die Death core-Combo Arranged Chaos. Wie jedes Jahr zeigt das Festival, das traditionell keinen Eintritt kostet, einen Querschnitt dessen, was in der regionalen Musiklandschaft passiert. Junge Nachwuchsbands bekommen eine Plattform für sich und stehen neben lokalen Profis auf der Bühne. Zu letzteren zählt zum Beispiel die Indie- Band Lament aus Bad Lausick. Für deren Musik bietet die Festwiese die optimale Kulisse, auch wenn sich ihr Aggregatzustand zusehends weiter von fest nach flüssig transformiert. Irgendwo zwischen U2, Muse und Radiohead mit rockigen Einschlägen bewegt sich das Konzert, das die Gewinner-Band des MTV-Rookie-Wettbewerbs sehr konzentriert bestreitet. Melancholisch, klar und pathetisch hallt die Stimme des Sängers Sebastian Söllner am Stadion wider, als es dunkel wird. Die Herren, die anschließend die Bühne erklimmen, drehen das Stimmungsschräubchen in eine ganz andere Richtung. Die Madrhymaz aus Dresden rappen zu manchmal pompösen, manchmal eher dem Ska entlehnten Beats vom (leider nicht vorhandenen) „Arschbombenwetter“ und über die weite Verbreitung der Illuminaten. Mit einer großen Prise entwaffnender Selbstironie und einnehmender Selbstverständlichkeit präsentieren sie Textzeilen wie „Deine Mutter käm’ gern aus Sachsen, Sachsen!“. Witzige, kurzweilige Lyrics schmücken bei ihnen Songs, die in die Beine gehen. Als die letzte und wahrscheinlich bekannteste Band des Festivals ihr Konzert beginnt, regnet es wieder. Doch das spielt eine untergeordnete Rolle, denn auf der Bühne steht: die Sonic Boom Foundation, die man in Leipzig gar nicht mehr so häufig zu Gesicht bekommt. Einzigartig verbindet sich die Coolness elektronischer Musik mit der brachialen Wildheit von Rock, was vor allem live gut funktioniert. Schwarz-weiße Filmausschnitte flackern über die Bühne, während Songs wie „Alien To Me“ die Zuschauer belohnen, die bis jetzt in Kälte und Regen ausgeharrt haben. Dass beim Tanzen vor der Bühne der Matsch spritzt, merkt kaum noch jemand. Dabei neigt sich ein Tag seinem Ende, der so schön hätte sein können, wenn nur ... Die Veranstalter zeigen sich später trotzdem zufrieden. „Wir sind sehr glücklich, dass wir hier nicht komplett weggeschwommen sind und die Leute so gut mitgefeiert haben“, meint Katja Engemann, die Projektleiterin des Festivals von der Bandcommunity. So bleibt die Hoffnung auf ähnlich gute Musik und bessere, weil vor allem niederschlagsärmere Zeiten im nächsten Jahr.

Weitere Fotos: www.lvz-online.de/kultur

Leipziger Internet Zeitung vom 29.08.2010

Joey Adler fixiert hinter seiner Fliegenbrille das versammelte Publikum. Dann spritzt der Schlamm unter dem Stampfen der Fans auseinander. The Sonic Boom Foundation räumen auf dem Bessere Zeiten Festival 2010 gehörig ab. Das BZ hat wieder zu neuer Stärke gefunden.

Doch zunächst ein paar Fakten. 2005 fand das erste Festival auf der Festwiese am Sportforum statt. Rund 3.500 Schaulustige feierten 13 Musikgruppen bei dem Angebot, das ohne Eintritt seither mit Familienangeboten und Musik Leipziger anlocken will. Nicht zuletzt sollen die Leipziger selbst sehen, dass die Messestadt Bands zum Vorzeigen hat.

Fünf Jahre später ist das Ziel nicht verwässert. Die Undergroundfahne wehte 2010 besonders hoch, weil die Bandcommunity Acts wie Lament, Arranged Chaos und The Sonic Boom Foundation ganz nach oben gestellt hat. Bands wie Nevamind und Madrhymaz sorgten ebenfalls für Stimmung.

Trotz kurzen Schauern, frischem Wind und Schlamm unter den Füßen, ließen sich dieses Jahr rund 1.000 Besucher nicht beirren, genossen seit dem Nachmittag Gegrilltes, Bier und Musik. Bei letzterem sorgt die Bandcommunity für eine gesunde Mischung. Jeder soll seine Chance haben. Rocker teilen sich friedlich die Bühne mit Rappern, Poppern und Metallern.

Während The Squibs, Over Body Free, Die Optrien und Star Roxx noch mit kräftigen Schauern kämpfen mussten, klart der Himmel während der frühen Abendstunden zusehends auf und lässt die Sonne auf die Alternative-Rocker Nevamind scheinen, die ihr dreiviertelstündiges Programm lässig und mit zurückhaltenden Posen zocken. Ihren Auftritt mussten die Leipziger vorziehen, weil die eigentlich um diese Uhrzeit auftretende Band noch nicht vollständig war.

Dafür haben ArtbreakHeartshop wenig später die Gelegenheit die Gäste von ihrem Duettgesang zu überzeugen. Die Beifallsbekundungen bleiben zwar Mangelware, aber das Interesse ist groß - alles lauscht. Erste Fans mit Playmobil-Frisuren und bunten Metalshirts tauchen schon auf. Sie haben gehört, dass ihre Helden aus dem Leipziger Metal-Underground, Arranged Chaos, auf dem Festival spielen werden.

Sie sollten nicht enttäuscht werden. Mit einem langen Einstieg aus der Konserve wummern schwere Riffgewitter über das Festivalgelände. Das Bessere Zeiten Festival hat wohl noch nie eine so harte Band im Programm gehabt. Die fünf Leipziger setzen ihren Schwerpunkt auf ihr aktuelles Debütalbum "As Time Goes By ..." und überzeugen die anwesenden Anhänger mit tiefem Grunzen, aufjaulenden Gitarrenklängen und heftigem Trommelgebimmel aus dem Hintergrund.

Nach einer so heftigen Prügelattacke und Sonnenschein kann alles nur matter klingen. Lament machen ihrem Namen aller Ehre und sind sichtlich müde geworden. Auch wenn das stets putzmuntere Moderatorenpaar Lament als MTV Wettbewerb-Band groß ankündigt, ein neues Album offeriert, bleiben die Fans zahlenmäßig und gedanklich sichtlich weg bei dem poppig-rockenden Ereignis.

Erst als die 1996 als The Cure-Coverband gegründete Kapelle ihre frühen Anleihen zur berühmten Gothic-Formation auspackt, werden der spielerische Glanz und die gesangliche Sicherheit von Sebastian Söllner offenbar. Vielleicht hat hier das Wetter zugeschlagen, es fühlt sich nach den letzen Sonnenstrahlen alles etwas nasskalt an - vor und auf der Bühne.

Mit dem endgültigen Einbruch der Dunkelheit kommt wieder Leben in die Bude. Die lustigen Rapper von Madrhymaz haben es doch noch auf das Festivalgelände geschafft und zeichnen mit ihren Kinderliedtexten ein breites Lächeln auf jedes einzelne Gesicht der Besucher.

Das ist auch nach dem vorigen Trübsal auch nötig, denn aufziehende Frische und die Feuchtigkeit steigt in die Sachen und das Publikum muss sich mit stimmungsvoller Musik warm klopfen. Das schaffen die Madrhymaz mit Leichtigkeit und sind würdige Anheizer für eine Kapelle, die zu Leipzig gehört, wie wohl keine andere.

Als Joey Adler, Frank Raabe, Hendrik Pietsch und Steffen Gräfe die Bühne entern, werden die wenigsten des jünger gewordenen Publikums noch wissen, dass zwei der Herren bereits in einer anderen Leipziger Combo um Weltruf zockten. Mit Think About Mutation hatte Leipzig bis 2002 eine Crossover-Band vorzuweisen, die Rock mit Techno vermischte und einige Hits im Stammbuch stehen hat.

Nun ist The Sonic Boom Foundation an ihre Stelle getreten, jedoch weitaus aggressiver, klarer und live einfach besser. Mit ihrem aktuellen Werk "Bad News Always Good News" unterm Arm steigen die vier Musiker auch ein und sorgen spätestens mit früheren Liedern für ausgiebige Bewegung beim Publikum, das immer wilder wird zum Ausgang der Show.

Joey Adler fixiert hinter seiner großen Sonnenbrille die Fans und sorgt für klare Ansagen ans versammelte Publikum. Spätestens wenn Adlers groovendes Bassspiel einsetzt und mit Hendrik Pietsch den Takt vorgibt, spritzt die zu Schlamm zerstampfte Wiese unter den Füßen der Besucher auseinander. Die Meute feiert einen Song nach den anderen und fordert nach einer Stunde Spielzeit berechtigt nach Zugaben.

Diese wollen Sonic Boom Foundation auch spielen, aber 2010 müssen die Veranstalter den Auflagen nachkommen, dass der Zauber spätestens um 23 Uhr vorbei sein soll. Es gibt im angrenzenden Waldstraßenviertel offenbar Leute, die am Samstag Abend früh ins Bettchen steigen wollen und sich nicht wirklich für eine aufstrebende und engagierte Jugendkultur interessieren.

Auch wenn die Show von Sonic Boom Foundation hätte länger dauern können, bleiben die Fans ruhig und ziehen sich zu den noch geöffneten Bierständen zurück. Der eine oder andere vermisste zwar den auf den Flyern angekündigten Vöner-Stand, die rein vegane Speisen anbieten, aber ein herzhafter Biss in ein kross gebratenes Schnitzel oder eine Kelle aus der dampfenden Gulaschkanone tut es auch. Die Veganer haben jedoch nichts zu lachen - vielleicht ja 2011.

Bessere Zeiten Teil 6 hat wieder einmal gezeigt, wie lebendig die Musikkultur in Leipzig ist und welche interessanten Pflänzchen hier wachsen. Auch wenn der Wettergott den einen oder anderen Gast Zuhause vor die Flimmerkiste zwang, haben doch 1.000 Besucher den Weg auf die Festwiese gefunden. Verglichen mit der höheren Besucherzahl des ersten Festivals dieser Art ein guter Schnitt, den so manches Szenefestival erst erreichen muss. Die Vorbereitungen zur siebten Fortsetzung werden in Kürze wieder anlaufen.

Denn auch 2011 heißt es wieder: Bessere Zeiten auf der Festwiese am Sportforum.

Daniel Thalheim

Quelle: www.l-iz.de/Kultur/Musik/2010/08/Bessere-Zeiten-Festival-Wasser-Schlamm-Musik.html

Leipziger Volkszeitung vom 09.08.2010

Warm up auf hohem Niveau

Bessere Zeiten für junge Bands. Zum Warm up für das große Festival am 28. August gab es in der Moritzbastei ein Schnupperkonzert mit drei Bands, die es diesmal nicht ins Programm geschafft haben. Gleich vorweg: Wenn sie sich für die Festwiese tatsächlich noch Besseres aufgehoben haben, muss einem um das Niveau des Festivals nicht bange sein. Denn schon an diesem Abend waren überzeugende Vorstellungen zu erleben. Plasmic Ocean hatten es am Anfang nicht leicht. Ihr hochkomplexer Progmetal zwischen Dream Theatre und Opeth braucht einen konzentrierten, wenigstens aufmerksamen Hörer. Diese Spezies wird mit anspruchsvoller Frickelmugge belohnt. Ganz anders der Ansatz von Daniel Orange, die mit hemdsärmeligem Geradeausrock die Menge fast aus dem Stand zum Hüpfen und Mitklatschen bringen. Ist der Abend bis hierher schon höchst vergnüglich, so geht es mit P:hon noch eine Liga höher. Furchtlos bietet das Septett aus Dresden introvertierten Shoegazer- Rock ohne Ansagen oder andere Anbiedereien ans Publikum. Dafür überzeugen eine hochsensible und, wenn es darauf ankommt, brachialmotorische Rhythmuseinheit, zwei schöne Gitarren, endlos weite Keyboardflächen, eine traumverlorene Stimme und als Sahnehäubchen auf der Sonor-Torte sogar ein ätherisches Theremin. Beste Zutaten für sphärische Werke, die ganz sanft beginnen und den Zuhörer unmerklich immer tiefer in ihren Bann ziehen, um ihn am Ende einer zauberhaften Reise durch surreale Klanglandschaften einer gnadenlosen emotionalen Eruption auszusetzen. Sie haben es nicht so leicht in der Allgemeinatmosphäre einer Samstagnacht, wo etliche Discogäste schon mal reinschauen, um den Umstehenden ungerührt und lauthals während der leisesten Momente ihr schönstes Ferienerlebnis zu erzählen. Doch Gott sei Dank spülen die Noise-Orgien solche Zaungäste regelmäßig nach draußen. Es ist wahrscheinlich ohnehin das Schicksal dieser Band: Von einer Menge, die nicht genau weiß, was da auf sie zukommt, finden sich nach einiger Zeit wohl zwei Drittel einigermaßen überfordert draußen an der Bar wieder. Die anderen aber stehen da, die Seelen weit offen und meist auch die Münder vor Staunen. So jedenfalls in der MB. Mit leuchtenden Augen verlassen die neuen P:hon-Fans nach viel zu kurzem Konzert die Tonne und versichern sich gegenseitig, Zeuge einer Sternstunde gewesen zu sein. Da haben sich die Bessere- Zeiten-Macher den Ball verdammt weit vorgelegt... Lars Schmidt

Leipziger Volkszeitung vom 12.07.2010

Ein Haus, das rockt

Räume für ungestörtes und unstörendes Proben: Die Leipziger Bandcommunity präsentiert in Plagwitz das Bandhaus

Viele junge bis mitteljunge Leipziger leben sich in Bands aus. Doch was die Räumlichkeiten für ungestörtes und unstörendes Proben angeht, ist die Lage oft prekär: Den Musikern fehlt der Platz. Einen ersten Vorstoß in Richtung einer Problemlösung wagt jetzt die Bandcommunity, die am Freitagabend stolz ihr neues Bandhaus präsentierte. Vielleicht gehört es ein bisschen dazu: Etablierte Bands werden, nach ihrer Historie befragt, oftmals nicht müde, von den ersten Probenräumen zu erzählen – unglaublich klein natürlich, weit draußen, und ein Loch im Dach kommt auch gern vor. Dann nicken die Musiker meist versonnen und bewundern sich für ihr Durchhaltevermögen. Daran, dass eine unzulängliche Umgebung jungen Combos aber auch die Freude am Üben nehmen kann, setzt das aktuelle Projekt an. „Viele Leipziger Bands proben unter katastrophalen Umständen: in schlecht isolierten Räumen ohne fließendes Wasser und sanitäre Anlagen“, konstatiert René Emmrich, Mitglied des Bandcommunity-Vereins. Immer mehr Räume werden geschlossen, und die offiziell geschätzten 200 Leipziger Bands wissen nicht, wohin mit sich. In der Saarländer Straße nun, vis-à-vis zum Spinnereigelände, hat die Bandcommunity ihre Räume angemietet. Zwar weisen große Schriftzug-Banner schon auf die neue Nutzung des Bildungsgebäudes hin, eine Klingel gibt es allerdings noch nicht. Doch wer der Musik folgt, trifft bald auf die Vereinsmitglieder und ihren Vorsitzenden Andreas Sinschek. Im Erdgeschoss wird er jetzt das neue Büro der Bandcommunity beziehen, die seit Jahren das „Bessere Zeiten“-Festival ausrichtet, gleich nebenan entsteht ein kleiner Imbiss. „Wir wollen einen Platz für Interaktion schaffen, vielleicht entsteht auch wieder ein Stammtisch“, so Sinschek. Vor allem aber geht es um die erste Etage des Gebäudes. Dort befinden sich acht Zimmer, die mit ihren Lamellen- Vorhängen derzeit noch etwas behördlichen Charme verbreiten, in denen es aber bald rocken wird. Studiotechnik soll die zur Tafel ausgerichteten Schulbänke ersetzen, die momentan noch in den Seminarräumen nebenan stehen. „Innen können die Bands natürlich auch selbst etwas gestalten, wenn sie wollen“, sagt Sinschek. Womit die Wände der Zimmer vermutlich nicht mehr lange genauso blütenweiß bleiben, wie die im Keller derzeit noch strahlen. Denn dort findet sich der dritte Teil des neuen Vereins-Domizils – ein Konzert- und Veranstaltungsraum, in dem etwa 150 Zuschauer Platz finden. Will also eine der künftig eingemieteten Bands ihr Können präsentieren, muss sie ihr Equipment lediglich einmal durchs Haus befördern. Lange suchte die Bandcommunity nach einem Objekt und fand es in direkter Nachbarschaft zu einer Dependance der Stadtwerke und einem Parkplatz. Stören werden die Jazz-Band, die bereits zugesagt hat, und die Metal-Combo Faced Reality, die direkt am Freitag einzog, dort niemanden. Etwa 25 Gruppen sollen im Lauf der Zeit ihre Zelte im Bandhaus aufschlagen. Dass das Konzept stimmt, zeigt die bereits jetzt immense Resonanz, die der Verein erfährt. Zwar könnte man behaupten, das Haus-Projekt der Bandcommunity bedeute einen Tropfen auf den heißen Stein der Probensituation, doch nicht zuletzt arbeitet der Verein gemeinnützig – stets auf Unterstützung angewiesen, immer an den Grenzen finanzieller Belastbarkeit. Vermutlich legt nicht jede der künftig in Plagwitz probenden Bands die große Karriere hin. Dass dafür aber nicht mehr die vor Kälte zitternden Finger als Rechtfertigung herhalten können, ist der Verdienst eines kleinen Vereins. Theresa Wiedemann

 

Hallo Leipzig, vom 10.07.2010

Einstöpseln, aufdrehen, Mucke los!

Leipzigs erstes Bandhaus in Lindenau eröffnet

Leipzig hat sein erstes Bandhaus. Doch keine Angst, hier hat sich nicht die nächste gecastete Popgruppe eingemietet. Das Bandhaus in der Saarländer Straße 17 ist das neue Projekt der Leipziger Bandcommunity. „Leipzig hat eine wunderbar vielseitige Bandkultur, doch die Proberäume sind knapp. Dabei ist das ,Bandwohnzimmer’ der Grundstein für das Bestehen und die Entwicklung einer Band“, sagt der Vorsitzende des Vereins Andreas Sinschek. Verschärft hatte sich das Problem erst Anfang diesen Jahres mit der Pleite der Klavierfabrik Pianoforte im Böhlitz-Ehrenberger Hupfeld-Center und dem anschließenden Verkauf der Industriebauten. Die neuen Mietpreise waren für die jungen Musiker unerschwinglich. Spätestens in zwei Jahren drohte ihnen der endgültige Rausschmiss. Die neuen Räume der Bandcommunity im Stadtteil Lindenau in der Nähe vom Spinnereigelände sind bezugsfertig, die ersten Gruppen, wie Faced Reality mit Sänger Stefan Schiebe, sind schon da. Bis zu 40 sollen hier einmal eine neue Herberge finden. „Die Ankündigungsflyer waren noch nicht gedruckt, da kamen schon die ersten Anfragen“, sagt Sinschek. Das Konzept: günstige Mieten, viel Platz, gute Verkehrsanbindung, Veranstaltungsräume und die nächsten Anwohner sind auch weit genug entfernt, um die Verstärker mal so richtig aufzudrehen. Auch ein Tonstudio ist u.a. geplant.

Quelle: www.hallo-leipzig.de

 

Leipziger Internet Zeitung vom 01.07.2010

Wie die L-IZ Anfang dieses Jahres berichtete, ist die Proberaumsituation in Leipzig keine gute. Im so genannten Hupfeld-Center konnten viele Bands wegen der Mietensituation nicht bleiben - Ersatz musste her. Selbst im Stadtrat wurde das Thema vom Kulturbürgermeister Michael Faber angerissen. Nun soll es starten: das erste Bandhaus in Leipzig.

"Leipzig hat eine wunderbar vielseitige Bandkultur, doch die Proberäume sind knapp. Dabei ist das 'Bandwohnzimmer' der Grundstein für das Bestehen und die Entwicklung einer Band", teilt die Bandcommunity in einer heute erschienenen Pressemitteilung mit.

Dort heißt es auch: "Mit dem nunmehr zweiten größten Projekt neben dem 'Bessere Zeiten Festival', hat sich die Bandcommunity Leipzig dieser Problematik angenommen und versucht mit dem Bandcommunity Bandhaus der Proberaumknappheit ein Ende zu setzen. Hierzu wurden unzählige Gespräche geführt, Objekte besichtigt und schließlich auch ein Geeignetes gefunden."

Ab den 1. Juli soll das nagelneue Bandcommunity Bandhaus in der Saarländer Straße 17 in Leipzig zu finden sein. Im Laufe der nächsten Zeit werden dort neben den 15 Proberäumen auch Flächen für Studios und Veranstaltungen sowie das neue Verwaltungsbüro des Bandcommunity Leipzig e.V. entstehen. Man darf gespannt sein, wann das Bandhaus voll besetzt sein wird und welche illustren Gäste einziehen werden.

Das heißt weiter, dass die Bandcommunity nun endlich ihren Anspruch in Leipzig durchsetzt, für und mit den Musikern zu arbeiten. Neben den "Bessere Zeiten Festival", das im August auf der Festwiese stattfinden wird, veranstaltet die Bandcommunity auch zahlreiche Konzerte in Leipzig. Nun schafft die Bandcommunity mit dem Bandhaus Tatsachen, die im so genannten Hupfeld Center scheinbar verschlafen wurden.

Zu diesem Anlaß möchte die Bandcommunity alle Interessierten am Freitag, den 9. Juli ab 18 Uhr, auf einen Rundgang im Gebäude einladen.

Daniel Thalheim

Quelle: www.l-iz.de/Kultur/Lebensart/2010/07/Musikcenter-in-Leipzig-Das-Bandcommunity-Bandhaus.html

 

LVZ vom 28.10.2009

Fast ein Jahr lang war der Termin geblockt. Der 27. November gehörte im Plan der Moritzbastei der IG Pop und dem Finale des Bandwettbewerbs „Leipzig wählt Musik“ – bis Booker Rick Barkawitz die Konsequenzen aus den anhaltenden Nicht-Reaktionen der Veranstalter zog und das Event abblies. Obwohl es der vorgegebene Turnus vorsieht – es scheint ganz so, als müsse Leipzig auch 2009 ohne Jahres-Siegerband auskommen.

Von MARK DANIEL

Seit März hat Barkawitz mehrfach versucht, die Organisatoren Marion Kluth und Wieland Kluge zwecks Detail- Besprechung zu erreichen. Wie auch Andere, die verlässlich an der Handy-Mailbox der beiden scheitern, schrieb er Mails in Erinnerung an die Absprache, am letzten November-Freitag das große Finale abzuhalten. Erst Ende Juli trudelte eine knappe Antwort ein. „Wundern uns. Hatten den Termin gar nicht reserviert. M & W“. Barkawitz war baff, denn für ihn galt das Datum nach einer Absprache mit den beiden im November ’08 als gesetzt. Für Verblüffung in der Szene hatte schon Kluths Ankündigung vor vier Jahren gesorgt, aufgrund von „Neustrukturierung“ den jährlich vergebenen Musikpreis für Leipziger Bands nur noch alle 24 Monate auszutragen. Dass nach dem 2007 gefeierten „Leipzig wählt Musik“ (es siegten Safi und Zen Zebra) die aktuelle Auflage zu platzen droht, sorgt für Kopfschütteln. Der Vorgang hat eine weitere moralische Dimension: Die IG Pop bekam fürs laufende Jahr von der Stadt kommunale Mittel in Höhe von 35 000 Euro, aus denen auch „Leipzig wählt Musik“ finanziert werden sollte – neben Aktionen wie „Ich rappe, ich bin“, „Schaue Musik“, „Klub der Beatboxer“, „Unsere Wand“, „Das irre Kino“ et cetera. Mit dem ursprünglichen IG-Auftrag, Anlaufpunkt und Vermittler für junge Bands zu sein, haben die Aktivitäten schon lange nichts mehr zu tun, die Orientierung in Richtung Jugend- und Sozialarbeit wurde aber vom Kulturamt mitgetragen. Ein fataler Anachronismus: Noch immer zeigt die IG Pop keine Internetpräsenz in Form einer eigenen Website. Kluth meint: „Wir sind keine digitale Gemeinschaft. Wahrhaftig zu sein, bleibt unser Anspruch.“ Im Juni 2008 nannte die IG-Pop-Chefin den 6. Juni diesen Jahres als Bewerbungsschluss für den Musikpreis 2009/10. Eine öffentliche Ausschreibung tauchte allerdings nie auf, weder als Flyer noch als Pressemitteilung, wie es sonst üblich war. Dennoch soll es in diesem Jahr „eine alternative Version von ,Leipzig wählt Musik‘ geben“, wie es heißt. Der Ort stehe noch nicht fest, es gebe verschiedene Optionen, schreibt Kluth in einer Mail Ende September. Das Kulturamt „steht diesem offensichtlichen Stillstand mit großer Sorge gegenüber“. Lange hielt das Amt schützend die Hand über die IG Pop, obwohl die Kritik seit Jahren wächst, der Ruf beschädigt ist, Musiker den Verein als Ansprechpartner abgehakt haben und lieber die Bandcommunity kontaktieren. Doch auch die kommunale Langzeittreue hat ein Verfallsdatum: Schon vor gut zwölf Monaten kündigte Kulturamts- Chefin Susanne Kucharski-Huniat der IG das Auslaufen der institutionellen Förderung ab 2010 an. Für das aktuelle Jahr stieg erstmals die Bandcommunity in diesen begehrten Förderstatus (mit 24 460 Euro), der mehr Planungssicherheit verspricht als die Projektförderung. Mit der muss sich die IG Pop nun ab 2010 begnügen, ein deutliches Herunterfahren der momentanen Summe dürfte die Konsequenz sein. Marion Kluth kündigt an, dass „Leipzig wählt Musik“ in der bisherigen Form für die IG aufgrund der finanziellen Bedingungen nicht mehr in Frage kommt. Trotzig-blumig formuliert sie das letzte Musikpreis-Finale der IG: Ein „Best of Leipzig der letzten 19 Jahre“ soll es geben. „Die Auswahl trifft die IG Pop als Mutter und Vater der Aktion“. Die Übergabe der Preise sei in erlesenem Rahmen für den 5. und 6. Dezember vorgesehen. Wo auch immer. Einst firmierte das Ein-Tages-Festival unter „Rockwettbewerb“. Bis 2004 nannte die IG es „Der große Preis – Leipzig wählt die Band des Jahres“, 2005 hieß es „Leipzig wählt die Band“, zuletzt dann „Leipzig wählt Musik“. Die irritierenden Neu-Benennungen gehören aber zu den Petitessen bei der jahrelang gewachsenen Kritik an der IG, die öffentlich kaum noch Präsenz zeigt. Nun gilt es, die Zukunft der angesehenen Veranstaltung als Podium für hoffnungsvolle Leipziger Bands zu klären. Andreas Mehnert, im Kulturamt für Musik zuständig, „würde es begrüßen, wenn sich ein anderer Partner für die Durchführung findet, sollte die IG Pop – aus welchen Gründen auch immer – das Projekt nicht fortsetzen können“. Bestürzend realitätsfern und selbstgerecht klingt das Manifest von Kluth: „Leipzig ohne IG Pop wäre ein Verlust für die Stadt. Unsere Liebe zu guter Musik und den Menschen, die sie machen, ist nicht ersetzbar.“ MB-Booker Rick Barkawitz erwägt, im Schulterschluss mit anderen Kulturmachern die Wahl zur Band des Jahres fortzuführen. Ende September reichte er einen Fördermittelantrag bei der Stadt ein. Kollege Roland Bergner vom Werk II signalisierte Kooperationsbereitschaft – vorsorglich sind bereits zwei Termine für Oktober 2010 geblockt.

 

 

Spot zum "Bessere Zeiten Festival 2009" auf Leipzig Fernsehen ansehen

 

 

Radiointerview auf Rockland Sachsen-Anhalt mit Katja Engemann zum Bewerbungsaufruf zum Bessere-Zeiten-Festival. anhören

 

 

LVZ vom 17.12.2008

Bewerbungen für „Bessere Zeiten“ ab Januar

Es war ein Versuch, damals, im Jahr 2005. Inzwischen ist es zur Tradition gereift, das Festival namens Bessere Zeiten. In jedem Spätsommer gibt die Bandcommunity Leipzig jungen spannenden Combos aus der Region eine große Bühne auf der Festwiese Leipzig mit mehreren Tausend Zuschauern, die das Ganze bei freiem Eintritt genießen dürfen.

Die fünfte Bessere-Zeiten-Ausgabe steigt 2009 schon am 15. August. Vom 1.Januar bis zum 1. März 2009 können sich Nachwuchsbands um einen Platz im begehrten Line-up bewerben. Dafür reicht eine Demo-CD und das ausgefüllte Bewerbungsschreiben, das man sich unter www.bandcommunity-leipzig.org oder auf www.bessere-zeiten-festival.org herunterladen kann. Die Bedingungen: Zugelassen werden nur Bands aus Leipzig und Umgebung ohne Plattenvertrag und die keine Vorlagen covern, sondern eigene Titel drauf haben.

Für die 2008er Ausgabe fischte das Organisations-Team neun Bands aus über 120 Einsendungen für das etwa achtstündige Open Air. Den Zuschlag bekamen Crowd, Tom Twist, Stone Wedge,Plasmic Ocean, Rough Roostars, Faced Reality, Dante’s Dream, Erste Adresse und Magnetcrotch & Ironmouth.

Weil das Festival nur mit der Hilfe von Helfern und Spendern funktioniert, ist die Bandcommunity Leipzig auch in diesem Jahr auf Förderer angewiesen, um das Ziel, jungen Bands wieder eine Bühne zu bieten, zu realisieren. Wer dem Verein unter die Arme greifen möchte, kann eine Mail an info[at]bandcommunity-leipzig.de schicken. MaD

MDR Beitrag vom 08.09.2008



LVZ vom 08.09.2008

Trotz einiger meteorologischer Katastrophen herrscht beim vierten Bessere-Zeiten-Festival eitel Sonnenschein

Das Wetter meint es nicht gut mit ihnen, aber sie bleiben guter Dinge: Veranstalter, Akteure, Helfer und Zuschauer machten aus dem vierten Bessere-Zeiten-Festival am Samstag auf der Festwiese vor dem Zentralstadion vielleicht nicht unbedingt das trockenste – aber trotzdem ein großartiges Musikerlebnis. Der Ablauf ließe sich auf verschiedene Weisen darstellen: chronologisch, nach Höhepunkten sortiert oder eingeteilt in die verschiedenen meteorologischen Katastrophen, die ein solches Freiluft-Ereignis hart treffen können: Vor dem großen Regen zum Beispiel hängt der Himmel noch voller – nicht Geigen, sondern Gitarren. Und einem Kontrabass.
Erste Adresse, Gewinner einiger Wettbewerbe, ziehen das Los des Kürzeren und dürfen das Festival, das einst im Leipziger Mühlholz seinen Anfang nahm, eröffnen. Mit der nachfolgenden kraftvollen Rockabilly-Band Tom Twist verbindet sie vor allem eins: ein zu diesem Zeitpunkt gerade mal langsam eintrudelndes Publikum. Die später spielenden Gruppen dagegen müssen ihre Zuschauer gegen einen Regen verteidigen, der an Heftigkeit und Beharrlichkeit kaum zu überbieten ist. Er schlägt die Menge, die zwischenzeitlich doch da ist, glatt in die Flucht. Schade, es hätte noch so viel zu sehen gegeben: Dante’s Dream wunderschönen Leipziger Indie-Pop im Regen; den 70er-Jahre-Monster-Rock der Chemnitzer Plasmic Ocean, der nebenbei vor Augen führt, weshalb junge Leute damals den Punk-Rock erfanden; den mitreißenden, melodischen Hardcore-Punk der Leipziger M.C.I.M. – Magnetcrotch and Ironmouth.
Ein wenig nach Klonen amerikanischer Hardcore-Bands klingen die Rough Roostars aus Berlin. Das Gute an ihnen ist, dass sie sich an Bands wie Lag Wagon und Good Riddance orientieren und sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Deutlich härter gehen Crowd aus Leipzig mit ihrem brachialen Deathcore zur Sache. Für Metal-Fans bietet das Festival im Anschluss einen weiteren Höhepunkt: Faced Reality mit mal schönem, mal knallhart krachendem Death-Metal.
Richtig gruselig wird es zu später Stunde. Beim Spektakel „Karambollage“ ringen Feuerspucker und Feuer speiende Stelzenläufer miteinander: toll. Vor Stonewedge, der letzten Band des Festivals, schießt ein Feuerwerk in den Himmel. Der Stoner-Rock mit 70er-Jahre-Wurzeln der Leipziger Gruppe beschließt die Nacht. Da fällt nicht mehr jedem der Abschied schwer, zumal der Regen bereits lange vorher ein paar neue Phasen zwischen Nieseln und Gießkanne ausprobiert hat.
Beim Veranstalter trotz Regens eitel Sonnenschein: Stephan Schliewe von der Bandcommunity grinsend: „Wenn die Leute alle zufrieden sind, sind wir es auch.“ Schade trotzdem. Ohne den September-Monsun wären wohl mehr als die 2000 Zuschauer da gewesen, waren es doch vergangenes Jahr immerhin 3000. Markus Wittpenn

LVZ vom 06.09.2008

Vom Campingplatz auf die Festwiese
Jugendprojekt „Karambolage“ endet mit Auftritt beim Bessere-Zeiten-Festival

Verglichen mit den Bands aus Leipzig,Chemnitz und Berlin, die heute beimBessere-Zeiten-Festival auf der Bühnestehen, haben die ebenfalls dort auftretendenjungen Jongleure, Feuerkünstlerund Akrobaten vom „Karambolage-YouthFireTheatre“ eine längere Anreisehinter sich. Sie kommen aus Lissabon,Barcelona, dem französischenTour, dem polnischen Czestochowa unddem ungarischen Bag. Einige von ihnenstudieren an einer Zirkusschule, andereverdienen sich mit Feuershows ihrenLebensunterhalt. Nach Leipzig geladenwurden sie vom Zollschuppen-Vereinaus Plagwitz.
  Von FRANK SCHUBERT
Auf einer Wiese am Kulkwitzer Seeführt eine Handvoll junger Leute seltsame,tänzerische Bewegungen vor. AmRand liegen Jonglier-Utensilien und Samba-Trommeln. Aufmerksam verfolgt wirddie Performance nicht nur von etwa 30weiteren, ähnlich bunt Gekleideten, sondernauch von zwei älteren Camping-Pärchen,die daneben an ihren Klapptischensitzen. „Einer der Camper hat auch malbei unserem morgendlichen Warm-Upmitgemacht und sich dabei fotografierenlassen“, erzählt Stefan Kurth davon, wiegut die Bewegungskünstler bei ihrenNachbarn ankommen. Der 28-jährigePsychologie-Student ist einer der Organisatorender unter anderem durch dasEU-Programm „Jugend in Aktion“ gefördertenJugendbegegnung.Die Idee zum Projekt ist den Zollschuppen-Leuten nach einem Zirkus-Workshopin Polen gekommen, an dem einige vonihnen teilnahmen. In der Zollschuppenstraßeist mit den „Lichtgestalten“ seit etwazwei Jahren eine Gruppe zu Hause,die sich ebenfalls den Pyro-Künsten verschriebenhat. Die Szene der Feuer-Jongleurehat in letzter Zeit europaweit einengewaltigen Zuwachs erfahren. „Ich warneulich auf der Juggling-Convention inKarlsruhe. Die war mit mehreren TausendBesuchern aus allen möglichen Länderndie bisher größte Zusammenkunftdieser Art“, erinnert sich Andreas Röcklebe,der ebenfalls zu den Karambolage-Organisatoren gehört. Auch in Leipzigsieht man im Sommer bei Partys oder imPark immer öfter Menschen, die mit Bällenoder Keulen jonglieren, mit brennendenStäben herumwirbeln oder Pois kreisenlassen. „Das ist einfach eine neueForm von Bewegung, die viele fasziniert“,erklärt Röcklebe diesen Trend. Hinzukomme der Adrenalin-Kick beim Spielmit dem Feuer.Seit vergangenem Donnerstag bereitensich die Jongleure und Akrobaten bereitsauf ihren großen Auftritt auf der Festwiesevor. „Die Workshops werden von denTeilnehmern selbst geleitet. Jeder zeigtden anderen, was er kann“, erklärt StefanKurth. Wie bei seinen anderen Projektensetzt der Zollschuppen-Vereinauch bei Karambolage auf das Prinzipder Selbstorganisation. So haben etwadie Portugiesen ein Trapez für Luftakrobatikmitgebracht. Die Katalanen steuernPyro-Technik bei, die heute Abend beimgroßen Feuerwerk zum Einsatz kommenwird.Neben diversen Jonglage- und Akrobatik-Darbietungen werden auch tänzerischeElemente und Percussion-Nummernin den Auftritt eingebaut. Sich auf einegemeinsame Dramaturgie zu einigen, istbei so einem komplexen Schauspiel nichteinfach. Und das nicht nur wegen derverschiedenen Sprachen, in denen dieIdeen dazu in den Raum geworfen werden.Arbeitssprache ist eigentlich Englisch,aber auch Portugiesisch undDeutsch sind immer mal zu hören. ZumGlück gehören zum Programm auch Seminarezum Thema interkulturelle Kommunikationund zum Stressabbau.Nur zum Kennenlernen der Stadt warbisher noch keine Zeit. Lediglich zum Abstecherins Zeitgeschichtliche Forum hates gereicht. Nach den ruhigen Tagen aufdem Campingplatz am Kulkwitzer Seesind die Künstler vorgestern in die Gieszerstraße16 umgezogen. Hier feilen sieweiter an Choreographien und basteln anRequisiten und verwegenen Konstruktionen,die heute auf der Festwiese die Zuschauerzum Staunen bringen sollen.

LVZ vom 04.09.2008

Acht Bands

rocken die Festwiese

Seit 2005 dräuen Bessere Zeiten. In diesem späten Sommer belegt das Ein-Tages-Festival also zum vierten Mal die Festwiese, um Nachwuchsbands aus der Region eine Bühne und ein üppiges Publikum zu bieten. Inzwischen gehört Bessere Zeiten zu den größten Musikveranstaltungen mit Rahmenprogramm in und um Leipzig – bei freiem Eintritt hagelt es viel versprechende Acts.
Erneut hofft der Veranstalter, die Bandcommunity Leipzig, auf eine vierstellige Besucherzahl; neben und zwischen den Gigs schließen eine Spielstraße für Kinder, Lesungen und Kleinkunst-Aktionen Langweile aus. Wieder wird es Stände für Merchandising, Vorstellung der Vereine und Sponsoren, Verkaufsstände und Ausstellungsflächen für junge Künstler geben.
Dieses Mal hat das Organisations-Team aus über 120 Demotapes neun Bands gefischt. Für die vierte Auflage des etwa achtstündigen Open Airs hatten sich mehr Combos beworben als je zuvor; 2007 waren’s 111, 2006 und 2005 jeweils 90. Die am Samstag auftretenden neun Bands kommen aus Leipzig, Chemnitz und Berlin. Crowd, Tom Twist, Stone Wedge, Plasmic Ocean, Rough Roostars, Faced Reality, Dante’s Dream, Erste Adresse und Magnetcrotch & Ironmouth sind die Glücklichen, die mit Death Metal, Progressive Rock, deutschem Pop, Punk, Indie, Electronic und Rockabilly eine große Bandbreite liefern.
Zum Rahmenprogramm gehört unter anderem das Feuerspektakel „Karambolage“ vom Youth Fire Theatre. Als Höhepunkt des internationalen Jugendaustauschs des Zollschuppen-Vereins bieten 35 junge Künstler aus sechs Ländern eine Show mit Feuerjongleuren, Theater, Pyrotechnik, Artistik und Tanz.
Parallel zu den Vorbereitungen schicken die Beteiligten regelmäßig einen flehenden Blick zum Himmel: Bislang sind 25 Grad angekündigt, aber auch ein Gewitter. Möge es sich erst am späteren Abend austoben. Das wären gute Zeichen für bessere Zeiten. Mark Daniel

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